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Decántalo
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Lernen Sie Pepe Raventós kennen, Geschäftsführer von Raventós i Blanc

Es ist klar, dass niemand aus seiner Haut kann. Das weiß auch Pepe Raventós nur zu genau. Als Sohn und Enkel einer der traditionsreichsten Winzerfamilien von Sant Sadurní (Hauptstadt des Cava) hat er sich zunächst beruflich im sozialen Bereich betätigt. Er zögerte aber nicht, als Raventós i Blanc vor dem Konkurs stand, voll in das Familienunternehmen einzusteigen. In den 1990er Jahren übernahm er die Leitung des Weinguts, um den Traum seines Großvaters fortzusetzen, Raventós i Blanc zu einer Weinmarke von internationalem Ansehen zu machen. Diesen Traum hat er mittlerweile mehr als erfüllt, indem er sich von seiner Umgebung durch das Label der kleinen geografischen Region Conca del Riu Anoia abhebt. Welch ein Luxus, diesen Mann interviewen zu können...



1- Obwohl Sie Ihre berufliche Laufbahn nicht auf einem Weingut begonnen haben, tragen Sie den Weinbau in Ihren Genen. Was sind Ihre ersten Erinnerungen an Wein?

Schon als Kind verbrachte ich die Sommerferien mit der Weinlese auf dem Weingut Can Codorniu. Damals war es wirklich eine Möglichkeit, ein wenig Geld zu verdienen; ich erinnere mich, dass ich Freunde eingeladen habe und wir am Ende sehr erschöpft waren! Meine Oma hielt dann ein leckeres Essen für uns bereit!

Als Teenager habe ich unvergessliche Momente mit meinem Großvater Josep Maria in Erinnerung, der mich den Wein probieren ließ, den er gerade trank, und der es genoss, mir das Verkosten beizubringen und seine Eindrücke mit mir zu teilen.

2- Ihre Familie widmet sich seit 1497 dem Weinbau; eine lange Familientradition also. Wer aus Ihrer Familie hat Sie am meisten beeinflusst? Und gab es Mentoren außerhalb der Familie?

Auf familiärer Ebene ist mein Vater Manuel Raventós zweifellos derjenige, der mich am meisten beeinflusst hat. Er und mein Großvater gründeten das Weingut, aber als mein Großvater starb, übernahm mein Vater die Leitung von Raventós i Blanc. Ich bewundere ihn wirklich.

Außerhalb der Familie war Didier Dagueneau die Person, die mich am meisten in meinem Weinverständnis beeinflusst hat. Ich erinnere mich noch daran, wie er mich eines Tages ausschimpfte, weil ich den Keller mit schmutzigen Stiefeln betreten hatte, und wie wir nach dem Abendessen und dem Umtrunk mit den Traubenlesern jedes gärende Fass überprüften, um uns zu vergewissern, dass alles in Ordnung war.

3- Im Jahr 2001 stiegen Sie bei Raventós i Blanc ein und Sie beschlossen, die Sache in Angriff zu nehmen. Worauf konzentrierten Sie sich in diesen ersten Jahren hauptsächlich? Verfolgen Sie heute noch dieselben Prämissen oder haben sich Ihre Prioritäten geändert?

In den ersten Jahren ging es ums Überleben, und ich musste mich um den Verkauf kümmern. Jetzt kann ich mich mehr dem widmen, was ich am meisten liebe, nämlich der Weinherstellung. Bei all diesen Prozessen gilt meine Leidenschaft der Landschaft, dem Weinberg, der Wiederherstellung des landwirtschaftlichen Betriebs, der Wiederherstellung der Terrassen von Can Sumoi und dem Versuch, von der Pflanze, der Xarel-lo und der Sumoll, zu lernen. Mein Traum ist es, einen Penedès aus diesen beiden einheimischen Sorten herzustellen.

4- Eine Zeit lang verbrachten Sie Ihren Alltag an zwei entgegengesetzten Orten, zwischen dem Land (in Sant Sadurní) und der Stadt (New York). Wie haben Sie es geschafft, Natur und Wolkenkratzer zu kombinieren und dabei nicht verrückt zu werden?    

Umgekehrt wird ein Schuh draus. Im Leben geht es um Ausgewogenheit. Yin und Yang. Die Möglichkeit, zum einen in einer Stadt und zum anderen in einer Umgebung wie dem Penedès zu leben, war wie zwei Leben in einem. Das hat mir ein wunderbares Gleichgewicht verschafft. Ich denke, es ist sehr wichtig, dass jeder sein Gleichgewicht findet. Ich bin nun schon seit einigen Jahren hier und es geht mir sehr gut, aber ich plane bereits, in Zukunft mehr Zeit in den Vereinigten Staaten und auf den anspruchsvolleren Weinmärkten der Welt zu verbringen.

5- Eigentümer, technischer Leiter, Önologe und Winzer. Wie kommen Sie mit so vielen verantwortlichen Positionen zurecht? In welcher davon fühlen Sie sich zu Hause?   

Der Teil meiner Arbeit, den ich am meisten mag, ist die Önologie und der Weinbau; aber das Wichtigste, damit alles gut läuft, ist ein sehr gutes Team von Leuten, die lieben, was sie tun, die ihre eigenen Entscheidungen treffen und die natürlich viel besser sind als ich. Jeder in seinem Bereich, in seinem Fach, in seiner Spezialisierung.

6- Ihre Schaumweine sind weder in der D.O. Cava noch in Corpinnat. Sie werden als Conca del Riu Anoia vermarktet. Was ist so besonders an dieser kleinen geografischen Region, dass Sie sich entschieden haben, sich keiner anderen Bezeichnung anzuschließen?

Ich schließe mich keiner Bezeichnung an, weil ich glaube, dass das Modell, das der zukünftige Schaumwein des Penedès braucht, ein Bourguignon-Pyramidenmodell ist, das auf Tälern, Dörfern und Crus basiert. Es handelt sich um ein Modell, das von der Generalitat de Catalunya gebilligt werden muss und eine Appellation darstellt.
Es ist nicht so, dass unser Gebiet besser ist, als andere. Wir müssen andere Gebiete dazu inspirieren, dem gleichen Modell zu folgen.
Es ist wie an der Côte de Beaune, da gibt es Meursault, Puligny, Chassagne, Saint-Aubin.
Der Unterschied ist, dass wir es besser machen wollen. Wir würden die Region nach Concas, nach Tälern, nicht nach Gemeinden einteilen. Es wäre eine Pyramide, die nach geologischen und nicht nach politischen Gesichtspunkten geordnet ist.

7- Aus Ihrer Leidenschaft für den Weinbau, die lokalen Rebsorten und die einzigartigen und unterschiedlichen Böden entstehen Ihre beiden ganz persönlichen Projekte: Pepe Raventós und Can Sumoi. Wie würden Sie jedes einzelne davon definieren? Worin unterscheiden sie sich?

Pepe Raventós ist ein Garagenprojekt, das bedeutet Forschung, Innovation, Lernen, Risiko und Fehler. Und wie aus einem Traum, der Schaumwein Mas del Serral.

Can Sumoi ist ein viel größeres Projekt, nicht so persönlich. Hier wollen wir das anwenden, was wir in den letzten 25 Jahren mit meinem Vater in Raventós i Blanc gelernt haben, und es auf die Berge der Serra de l'Home im Baix Penedès übertragen.

Can Sumoi ist ein wunderschönes Grundstück aus dem Jahr 1645, das 600 m über dem Meeresspiegel liegt. Ein magischer Ort, der uns an unsere mediterranen Ursprünge erinnert, wo wir die besten klimatischen Bedingungen für die Weinherstellung vorfinden. Außerdem bietet die Höhenlage ideale Voraussetzungen, um die Weine mit einem Minimum an Eingriffen sowohl im Weinberg als auch bei der Weinbereitung zu erzeugen.

Vor diesem faszinierenden Hintergrund ist unsere Arbeitsphilosophie in Can Sumoi äußerst beherzt: Wir versuchen, das Land zu schützen und aufzuwerten, indem wir alte Rebstöcke retten, mit den lokalen Winzern zusammenarbeiten und Trauben zu einem fairen Preis kaufen. Auf dem Grundstück wurden enorme Anstrengungen unternommen, um die biologische Vielfalt, die lokalen Sorten Sumoll und Xarel-lo zurückzugewinnen, die umliegenden Wälder zu schützen, die Terrassen wiederherzustellen und, wie wir hoffen, in Zukunft die alten Bauernhäuser wieder aufzubauen.

Wir lassen uns von dem inspirieren, was Jean-Louis Chave an der mittleren Rhône in der Ursprungsbezeichnung Saint Joseph macht, die nicht so bekannt ist wie Hermitage, aber wegen ihrer größeren Frische stark wächst, und wir schauen uns die Arbeit von Anne und Manu Houillon in Pupillin genau an.

8- Sumoll, eine einheimische Rebsorte aus dem Penedès, ist dabei, sich zum Objekt der Begierde der Winzer zu entwickeln, die sich diesem Gebiet verschrieben haben. Können Sie uns etwas über die Eigenschaften dieser Sorte sagen?

Diese Rebsorte hat ein unvorstellbares Potenzial, denn sie hat den pH-Wert eines frischen Jahrgangs aus Burgund und die Tanninstärke und Dichte eines Nebbiolo aus Barolo. Dazu kommt das mediterrane Klima, das in der Geschichte des Weinbaus das Klima par excellence für den Weinbau mit minimalen Eingriffen ist.

9- Wir wissen, dass eine der Kreationen, die Ihr Herz erobert hat, Mas del Serral ist, ein Schaumwein aus einer einzigen Parzelle, der 10 Jahre lang auf der Feinhefe ruht.  Ein tolles Werk! Können Sie uns das Erfolgsgeheimnis einer so langen Reifung erklären?

Das Geheimnis liegt in der Herkunft. Die Weinbergsparzelle verleiht dieser Traube Eigenschaften, die ihr eine hervorragende Reifefähigkeit verleihen. Gleichzeitig muss man bedenken, dass es sich um die Sorte Xarel-Lo handelt, die weltweit zu den Sorten mit der größten Reifefähigkeit gehört. Deshalb behaupte ich, dass Xarel-Lo ein größeres Potenzial für die Zukunft hat als Chardonnay. Sie bringt die Mineralität mit mehr Nachdruck zum Ausdruck und ihre Reifefähigkeit in mediterranen Breitengraden ist unvergleichlich.

10- Als engagierter Biodynamiker lassen Sie sich von dem traditionellen katalanischen Bauernhaus zur Arbeit inspirieren. Eine Rückkehr zu den Ursprüngen, die ein großartiges Beispiel für die Artenvielfalt darstellt. Waren die vergangen Zeiten immer besser?

Natürlich. Ich bin ein Romantiker was vergangene Zeiten angeht. Ich glaube, dass wir auf dem Weg in eine verlorene Welt sind, und wir sollten unbedingt die alten Werte zurückerobern. Langsamer werden, sich nicht alles nur auf dem Bildschirm ansehen, älteren Menschen zuhören... Deshalb sage ich gerne, dass wir versuchen, die Vergangenheit voranzutreiben.
Ein Tag auf unserem Hof ist wie eine Reise, deren Ziel es ist, zum Anfang zurückzukehren. Auf diesem Weg sind Worte wie Land, einheimische Sorten, Landschaft, Tiere und Menschen nur Randnotizen, die uns zu dem führen, was wir heute sind, auf diesem Grundstück, das in einen Bauernhof umgewandelt wurde, in dem Natur, Tiere und Menschen in Harmonie an einem einzigen Ort mit einem eigenen Ökosystem leben.

11- Mehr als einmal haben Sie gesagt, dass „man extrem regional sein muss, um internationale Anerkennung zu erlangen“ Können Sie uns das erklären?

Ich kann das nicht erklären, weil ich international keine Anerkennung genieße, aber Joan Miró hat es mit seiner Malerei sehr gut ausgedrückt. Allein die Art und Weise, wie er die Farben des Mittelmeers, seiner Heimatstadt Tarragona oder seiner Wahlheimat Mallorca zum Ausdruck brachte, ließ seine Malerei die Phantasie der Menschen auf der ganzen Welt beflügeln. Ich denke, in der Welt des Weins ist das absolut nachvollziehbar. Das Schönste am Wein ist es, die Herkunft zu schmecken, auch wenn sie weit entfernt ist und sich erst im Laufe der Zeit ausdrückt.

12- Könnten Sie uns zum Schluss noch einen Wein nennen, der es Ihnen in der jüngsten Zeit angetan hat, und warum?

Der Garnatxa Sant Antoni de Scala Dei hat mich begeistert, hergestellt von Ricard Rofes, Jahrgang 2015. Ich war begeistert von seiner Ausgewogenheit zwischen Feinheit und Eleganz und gleichzeitig vom Ausdruck der Herkunft, der Komplexität, mit einer gewissen Rustikalität und sehr säurebetont.