Lernen Sie Richi Arambarri kennen, CEO von Vintae
Obwohl es im Weinsektor häufig um Prunk und Pomp geht, können wir glücklicherweise auch auf Persönlichkeiten treffen, bei denen die einfachen Sachen des Lebens im Mittelpunkt stehen. Richi Arambarri bricht eine Lanze für Spaß, Party und Natürlichkeit. Dieser junge Mann aus Rioja, der im Alter von 24 Jahren die Nachfolge im Familienunternehmen angetreten hat, erzählt seit mehr als 10 Jahren Geschichten, die begeistern. Wie er selbst sagt, „muss man nicht nur einen guten Wein machen, sondern auch versuchen, ihn so zu präsentieren, wie er es verdient“. Mit einem umfassenden Katalog, in dem Weine aus 14 der besten spanischen Weinregionen aufgeführt sind, mit Namen wie Matsu, López de Haro oder Bardos, ist sein Unternehmen Vintae zweifelsohne ein „Rebell, der sich für die Sache einsetzt“; denn er macht die Welt des Weins für alle zugänglich, vor allem für jene, die sich wegen dem ganzen Drumherum schon das eine oder andere Mal unwohl gefühlt haben.

- Ihr Beruf ergibt sich ja praktisch aus der Familientradition. Wussten Sie schon immer, dass Sie sich dem Wein verschreiben würden? Oder wann ist Ihnen das klar geworden?
Meine ersten Erinnerungen an Wein sind die Momente auf dem Weingut meines Großvaters, als ich noch ein Kind war und bei den Familienessen die Weinflaschen entkorken durfte. Wenn man in einer Region wie La Rioja geboren und aufgewachsen ist, ist der Wein Teil des Lebens. Erst wenn man anfängt zu reisen und die Welt zu entdecken, wird einem bewusst, wie viel Glück man hat, weil man von dort kommt. Ich erinnere mich, wie beeindruckt ich war, als ich in Kalifornien sehr junge Leute traf, die eigentlich keinen Bezug zum Wein hatten und alles aufgaben, um sich dem Weinbau zu widmen. Damals, während meiner Studienzeit und meinen ersten Reisen in andere Regionen, entdeckte ich, dass der Wein alles vereint, was mich faszinierte: Landschaft, Natur, Geschichte, Gastronomie und Menschen. Deshalb gab es keinen Zweifel mehr daran, dass dies mein Lebensweg sein würde.
- Das Familienweingut in so jungen Jahren zu übernehmen, muss hart gewesen sein, aber es hat Ihnen sicherlich eine aktuellere Sicht auf die Anforderungen der heutigen Verbraucher gegeben. Glauben Sie, dass Ihre Jugend Ihnen in Ihrem Beruf zugute gekommen ist oder war es gerade deshalb schwieriger?
Ich denke, dass in meiner Anfangszeit die Jugend sicherlich gewisse Vorteile mit sich brachte, aber eben auch Nachteile. Einerseits half es mir, diese Generation, die sich vom Wein distanziert hatte, besser zu verstehen. Die komplexe und hochtrabende Sprache des Weins hatte damals eine ganze Generation von Verbrauchern in Spanien vergrämt. Ich war fasziniert von der Tatsache, dass junge Menschen in anderen Ländern sich wie verrückt mit dem Thema Wein beschäftigen, und das hat uns zu dem Kommunikationsstil inspiriert, mit dem Vintae geboren wurde. Andererseits brachte die Jugend aber auch Unerfahrenheit mit sich und führte dazu, dass ich viele Fehler machte.
- Sie sind als Revolutionär in der Weinwelt bekannt. Wie haben Sie es geschafft, in einer Welt, die sich nur sehr ungern verändert, die Zustimmung des Sektors zu gewinnen?
In unseren Anfängen gab es Leute, die uns nicht verstanden haben, weil wir einigen Standards des Sektors den Rücken kehrten. Aber die Welt des Weins hat sich in den letzten Jahren enorm entwickelt, und Dinge, die man früher nicht verstand, werden heute sehr wohl verstanden. Andererseits wurden im Laufe der Jahre immer mehr Menschen auf uns aufmerksam, die nicht nur die Verpackung, sondern auch die Liebe und Arbeit gesehen haben, die wir in den Weinberg und die Kellerei stecken, um unsere Weine herzustellen. Ich denke, die Summe aus beidem hat dazu geführt, dass viel mehr Menschen unsere Arbeit schätzen.
- Vintae produziert derzeit Weine in 14 spanischen Weinregionen. Auf welcher Grundlage entscheiden Sie sich für die Herstellung in einer bestimmten Region? Stehen weitere Weinbauregionen an?
Bei Vintae sagen wir immer: „Wenn wir aufhören würden zu träumen, wären wir nicht Vintae“. Der Hauptgrund, ein neues Projekt zu beginnen, ist zweifellos immer die Vision. Aber wenn ich eine Linie nennen müsste, der wir in allen unseren neuen Abenteuer folgen, dann ist es die Suche nach Authentizität. Wein ist Geschichte, Landschaft und Tradition, deshalb versuchen wir immer, in Gegenden zu gehen, die etwas zu erzählen haben, die uns begeistern. Wozu sonst sollte man in so viele neue Regionen vorstoßen? Schließlich ist der gemeinsame Nenner aller unserer Weine immer die Suche nach Frische, wo auch immer wir hingehen. Wahrscheinlich sind deshalb alle unsere Projekte im Norden angesiedelt, wobei wir in der Regel nach höher gelegenen und kühleren Gebieten suchen. Zurzeit befinden wir uns in einer Phase der Festigung unserer Projekte. Wir haben erkannt, dass es wichtig ist, sich auf die Gebiete zu konzentrieren, in denen wir das meiste Wissen haben, um das Beste aus unseren Weinen herauszuholen. Wir konzentrieren unsere Bemühungen nun auf unser Heimatgebiet und dessen Umgebung: Rioja, Navarra und Kastilien-León. Deshalb haben wir seit Jahren kein Projekt mehr in einer neuen Region gestartet. Aber auch wenn wir es nicht planen, so weiß man nie, ob wir nicht doch in naher Zukunft etwas in Angriff nehmen werden. Was gibt es Schöneres, als eine neue Region, ihre Weinberge und ihre Menschen zu entdecken und zu versuchen, unser Bestes zu geben?
- Wie schaffen Sie es, bei so vielen Projekten, die so unterschiedlich sind, die Vintae-Persönlichkeit auszudrücken?
Raúl Acha, der technische Direktor von Vintae, spielt eine entscheidende Rolle dabei, wenn man den gemeinsamen Nenner unserer Weine verstehen will. Raúl ist ein Fan des Natürlichen, der minimalen Eingriffe und der Suche nach Authentizität in den Weinen eines jeden Gebiets. Diese Art der Weinherstellung ist mit gewissen Risiken verbunden, wenn man mit einheimischen Hefen, minimalen Mengen an Sulfit und ohne önologische Produkte arbeitet. Aber die Erfahrung hat uns gezeigt, dass sich das Risiko lohnt, und ich denke, dass dies einer der Schlüssel zu unserer Persönlichkeit ist. Andererseits haben wahrscheinlich die Tatsache, dass wir selber aus La Rioja stammen, und der Stil der Weine aus unserem Herkunftsgebiet, dem Alto Najerilla, unsere Obsession für Frische und Einfachheit in unseren Weinen geprägt.
- Vintae ist vor allem für sein Engagement für Design, Kommunikation und soziale Netzwerke bekannt. Gehören Sie zu denjenigen, die glauben, dass es einfacher ist, einen guten Wein herzustellen als ihn zu verkaufen?
Ich denke, es ist wirklich schwierig, einen großartigen Wein zu machen und seinen Wert dann auch auf dem Markt zu vermitteln. Wir sind den Weg gegangen, ihn dynamisch, jung und multimedial zu vermitteln, aber es gibt Beispiele anderer Weingüter, denen dies auf ihre Weise ebenfalls gelingt. Ich denke, wenn man darüber nachdenkt, wie man einen großartigen Wein herstellt, muss man den gesamten Prozess berücksichtigen, vom Weinberg bis zum Verbraucher, und an Zweiteren nicht erst im Nachhinein denken.
- Sicher ist, dass in einer Welt, in der immer mehr Weingüter aus dem Boden schießen, das Unterscheidungsmerkmal von besonderer Bedeutung ist. Was hebt Vintae Ihrer Meinung nach von den Mitbewerbern ab?
Vintae hat meiner Meinung nach eine einzigartige Persönlichkeit. Wir haben uns von der Vision und der Lust am Träumen mitreißen lassen und Projekte in verschiedenen Gegenden Spaniens mit sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten geschaffen, die die Gegebenheiten des Gebiets widerspiegeln, und das Ganze immer mit einem beherzten, ungezwungenen und sympathischen Image. Wir hatten nicht immer den Zuspruch des gesamten Sektors, aber wir hatten immer den Zuspruch der Verbraucher, und dank dessen sind einige unserer Weingüter in nur wenigen Jahren zu Klassikern in ihren Regionen geworden. Der Trupp von Vintae, wie wir uns selbst gerne nennen, sprudelt nur so vor Begeisterung, die sich in unseren Weinen widerspiegelt und sich auf den Kunden überträgt. Vintae ist weder besser noch schlechter als andere Weinkellereien, aber es ist zweifellos einzigartig.
- Wie dem auch sei, auf jeden Fall läuft es bei Ihnen ganz gut. Sie exportieren derzeit in fünf Kontinente und sind in mehr als 70 Ländern vertreten. Es wundert uns also nicht, dass Sie im Ranking der jungen Führungskräfte, der CHOISEUL 100 Spain, Economic Leaders of Tomorrow, auf Platz 44 stehen. Ist diese ständige Präsenz eines Ihrer Erfolgsgeheimnisse?
Ich weiß nicht wirklich, warum ich auf dieser Liste stehe, aber ich schätze, dass es einfacher ist, benannt zu werden, wenn man das öffentliche Gesicht eines großartigen Teams ist. Und durch meine ständigen Reisen, ich bin fast 200 Tage im Jahr unterwegs, kennen mich natürlich viele Leute.
- Der Online-Verkauf war in der Branche nicht wirklich gern gesehen. Mit der Pandemie hat sich jedoch ein Paradigmenwechsel vollzogen, und die Verbraucher haben die Vorteile dieses Kanals erkannt. Handelt es sich um eine einmalige Modeerscheinung oder um etwas, das immer mehr zunehmen wird?
Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es meines Erachtens kaum noch Zweifel daran, dass der Online-Handel eine Tatsache ist und sich zu einem der wichtigsten Kanäle entwickelt und konsolidierthat. Mit unserer Philosophie, neue Generationen von Verbrauchern mit unseren Weinen zu gewinnen, haben wir von Anfang auf diesen Kanal gesetzt. In den letzten Jahren haben wir den enormen Wachstum der Verkaufszahlen und die Entwicklung von einer Nische zu einem großen Marktsegment erlebt. Die Zukunft wird zeigen, wie sich dieser Markt weiter verändern wird, aber es besteht kein Zweifel daran, dass er in Bezug auf Wachstum und Entwicklung noch einen langen Weg vor sich hat.
- Denken Sie, dass es in der Welt des Weins viel Humbug gibt? Glauben Sie, dass sich die Verbraucher, wegen der etwas „versnobten“ Haltung innerhalb der Weinwelt, eher davon distanzieren?
Ich denke, es gibt viele Welten innerhalb der Weinwelt. Auf der einen Seite gibt es eine große Gruppe von Verbrauchern, die man nicht mit technischen Details überfordern sollte. Man muss die Seele der Weine vermitteln, nämlich die Geschichte, die Landschaft und die Menschen, die dahinter stehen. Andererseits gibt es eine Nische von Weinliebhabern, zu denen auch ich gehöre, die zehn Minuten damit verbringen können, die Magie eines Weins zu entschlüsseln, der von einer bestimmten Parzelle mit ihrer Ausrichtung, Bodenbeschaffenheit und den besonderen Merkmalen dieses Jahrgangs stammt. Mit den Ersteren kann man nicht so reden wie mit den Letzteren. Und um die Dinge noch komplizierter zu machen, kann es vorkommen, dass man eine halbe Stunde damit verbringt, mit dem Sommelier eines Restaurants die technischen Merkmale eines Weins eingehend zu analysieren und zu beschreiben, und denselben Wein muss man dann einem Kunden des Restaurants auf eine völlig andere und einfachere Weise beschreiben. Diese Gegensätzlichkeit ist eine der magischen und komplexen Seiten dieser wunderbaren Welt.
- Abgesehen von den vielen Projekten, an denen Sie mitarbeiten, haben Sie 2016 Democratic Wines gegründet. Könnten Sie uns erklären, worum es sich dabei handelt, wie die Idee entstanden ist und welches Ziel damit verfolgt wird?
Democratic Wines entstand in einem Moment unserer persönlichen Reife, als wir bei Vintae beschlossen, uns auf die Herstellung großer Weine zu konzentrieren. Andererseits wollten wir denraubeinigen und aufdringlichen Aspekt, der einen Teil unserer Identität ausmacht, nicht völlig aufgeben. Deshalb haben wir dieses Gemeinschaftsunternehmen mit den Brüdern Virgili aus dem Penedés gegründet, und so entstand Democratic Wines. Bei diesem Projekt bewegen wir uns ein wenig außerhalb des reinen Weinbereichs und produzieren Marken wie Vermut El Bandarra, Sangría la Sueca oder Weine, die hauptsächlich in großen Formaten verkauft werden, wie Organic & Orgasmic.
- Als ob das nicht genug wäre, haben Sie auch einen Vorstoß in das Gastgewerbe unternommen mit dem Wine Fandango, einem erlesenen Restaurant, das viel mehr ist als nur ein kulinarisches Erlebnis. Dazu kommt die kürzliche Eröffnung des Fandango Formentera, einem idyllischen Restaurant im Chiringuito-Stil (Strandbar), das die Insel Formentera revolutioniert. Was hat Sie dazu inspiriert, diese Lokale zu eröffnen, und nach welchen Prämissen erstellen Sie deren Weinkarten?
Wine Fandango war ein Versuch, zusammen mit unseren Mitstreitern bei diesem Projekt, Bea Martínez und Aitor Esnal, eine einzigartige Location im Zentrum von Logroño zu schaffen. Unsere Idee war es, eine Location zu schaffen, in der die Küche von Aitor als Chef mit einer himmlischen Auswahl von Weinen angeboten wird, zusammen mit dem Fandango (spanischer Volkstanz), als tragende Säule der Unterhaltung. Diesen Oktober feiern wir bereits 7-jähriges Bestehen! Fandango Formentera ist das Ergebnis der Zwangspause, die uns das letzte Jahr abverlangte. Das Jahr 2020 gab mir, der ich eigentlich ständig unterwegs bin, die Gelegenheit, über die Zukunft nachzudenken, und ich beschloss, dass Formentera Teil dieser Pläne sein musste. Es ist das Ergebnis vieler Jahre, in denen die Insel uns Gründungspartnern viel gegeben hat, und wir wollten zumindest ein wenig von all dieser Energie und den Abenteuern zurückgeben. Fandango wurde mit der Idee gegründet, den Wandel der Insel hin zu einer gepflegteren Gastronomie mit der unterhaltsamen Atmosphäre zu verbinden, die uns Formentera schon immer geboten hat. Die Speisekarten der beiden Restaurants sind sehr unterschiedlich. Bei Wine Fandango haben die Rioja-Weine ein sehr starkes Gewicht, und wir versuchen, kleine Projekte zu entdecken, die die Revolution widerspiegeln, die diese historische Weinregion gerade erlebt. Fandango Formentera hat einen sehr viel internationaleren und sommerlicheren Charakter, bei dem Schaumweine, Rosés und Weißweine aus aller Welt im Mittelpunkt stehen, begleitet von einem Profil frischer Rotweine aller Art.
- Mit so vielen Projekten zweifeln wir keinen Moment daran, dass in Ihrem Fall Beruf und Vergnügen Hand in Hand gehen. Sollten Sie aber dennoch etwas Zeit haben, was machen Sie dann in Ihrer Freizeit?
Bei mir ist es schwierig, zwischen meinem beruflichen und meinem privaten Leben zu unterscheiden. Meine Arbeit ist zweifellos mein Lebensinhalt und meine Leidenschaft. Ich glaube, das passiert den meisten von uns, die in der Welt des Weins und der Gastronomie arbeiten. Aber darüber hinaus liebe ich die Natur, und deshalb faszinieren mich Bergsteigen, Segeln und Skifahren. Seit kurzem habe ich sogar ein neues Hobby: das Fliegen. Wenn alles gut geht, werde ich im Oktober meinen Pilotenschein machen und dann die Landschaften aus einer neuen Perspektive genießen können.
- Können Sie uns zum Schluss noch von einer önologischen Entdeckung erzählen, die für Sie ein wahres Fest war?
Im Moment widme ich Spanien viel Zeit, weil es in vielen Weinregionen einen enormen Wachstum von sehr interessanten neuen Projekten gibt. Ich versuche, über alles, was passiert, auf dem Laufenden zu bleiben und so viel zu verkosten, wie ich nur kann. Es gibt jedoch eine Region, der ich mich zur Zeit besonders widme, und das ist die Ribera del Duero in Soria. Es steckt viel Potenzial in diesen alten Reben, die auf roten Böden in den Dörfern am Fuße der Sierra de la Demanda wachsen.